Der Fachkräftemangel in der Schweizer Hotellerie hat ein neues Ausmass erreicht. Gemäss den neuesten Zahlen des Bundesamts für Statistik fehlen in der Branche aktuell über 12'000 qualifizierte Mitarbeitende — ein Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Neue Wege in der Ausbildung
Mehrere führende Hotelgruppen haben in den letzten Monaten innovative Ausbildungsprogramme lanciert. Das Bürgenstock Resort setzt auf ein duales Modell, das klassische Lehre mit digitalen Lernmodulen kombiniert. Die Schweizerische Hotelfachschule Luzern (SHL) hat ihr Curriculum erweitert und bietet neu einen berufsbegleitenden Professional Bachelor an.
«Wir müssen die Ausbildung attraktiver und flexibler gestalten», sagt Marco Bernasconi, Direktor der SHL. «Die neue Generation erwartet hybride Lernmodelle und internationale Erfahrungen.»
Internationale Partnerschaften
Das Swype-Programm der Hotel & Gastro Union ermöglicht es jungen Berufsleuten, nach der Lehre internationale Erfahrung zu sammeln. 2025 nahmen über 200 junge Fachkräfte teil — doppelt so viele wie im Vorjahr. Die Partnerschaften erstrecken sich mittlerweile über 15 Länder.
Gleichzeitig setzen immer mehr Betriebe auf die gezielte Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland. Dabei spielen die L-GAV-konformen Arbeitsbedingungen und die hohe Lebensqualität in der Schweiz eine zentrale Rolle als Argumente.
Flexible Arbeitsmodelle als Schlüssel
Neben der Rekrutierung gewinnt die Mitarbeiterbindung an Bedeutung. Hotels wie das Waldhaus Sils und das Victoria-Jungfrau experimentieren mit 4-Tage-Wochen, Job-Sharing und verbesserten Sozialleistungen. Erste Ergebnisse zeigen: Die Fluktuation sinkt um bis zu 30 Prozent.
Die Hotel & Gastro Union unterstützt diese Entwicklung mit ihrem Rechtsdienst und setzt sich politisch für bessere Rahmenbedingungen ein. «Gute Arbeitsbedingungen sind der beste Schutz gegen den Fachkräftemangel», betont HGU-Präsident Roger Aebischer.